Die schwimmende Puppe hat nur einen funktionierenden Arm.
Bildungsjournalismus

Inklusion im Spielzeugland

Diese Spielzeugpuppen fallen erst auf den zweiten Blick auf: Barbies mit Kurven und Legofiguren im Rollstuhl. Die großen Spielzeughersteller reagieren damit auf Kritiker, die Ihnen Ideenlosigkeit und Klischees vorwerfen. Bleibt die Frage, ob diese Produkte nicht nur Kritiker, sondern auch Kunden überzeugen.

Spindeldürre Barbies und muskulöse Actionhelden stehen schon lange in der Kritik, pädagogisch kontraproduktiv zu sein. Sie vermittelten Kindern ein unrealistisches Weltbild und setzten falsche Maßstäbe, heißt es etwa. Unerreichbare Heldenfiguren beeinträchtigen das eigene Selbstbewusstsein, führen schlimmstenfalls zu Essstörungen, mahnen Kritiker. Ganz zu schweigen von einem inklusivem Weltbild – also eine Vorstellung von einem Leben, in dem Behinderte und Nichtbehinderte Menschen selbstverständlich miteinander umgehen – das so nicht erreicht werden kann.

Authentische Vorbilder würden dagegen Kinder in ihrem Selbstwertgefühl stärken. Für Puppen heißt das, weg von der Perfektion, hin zu kleinen Makeln, Unregelmäßigkeiten und Abweichungen. Eine Gruppe von Eltern hat schon vor einiger Zeit mit der Aktion „Toy Like Me“ im Internet auf dieses Problem aufmerksam gemacht. Mittlerweile ist aus der Aktion ein dauerhaftes Projekt geworden, das spielerisch aufklären will. Die Initiatoren bieten neben Informationen Veranstaltungen, Schulbesuche und Ausstellungen an. Unabhängig davon, haben aber auch einige Spielzeughersteller mittlerweile ungewöhnliche Angebote, die Inklusionspädagogen begeistern würden. Eine Auswahl:


Spielzeug soll die Welt der Kinder wiederspiegeln und ihnen den Umgang damit spielerisch erleichtern. Diese Produkte kommen der wahren Lebenswelt der Kinder wohl näher als viele andere Spielzeuge und verschaffen dem Unperfekten so zu mehr Normalität. Behinderten- und Gleichstellungsverbände begrüßen diese Entwicklung. Der Sprecher des Behindertenverbandes „Sozialhelden“ lobte das Unternehmen „Lego“ unlängst in der „Süddeutschen Zeitung“ vor allem dafür, dass der Rollstuhlfahrer nicht im Krankenhaus-Set enthalten ist, sondern im City-Set, also in einem alltäglichen Umfeld. Das seien gute Bedingungen dafür, dass gewohnte Sichtweisen verändert werden können.

Ob diese Produkte aber keine Nischenprodukte bleiben, sondern tatsächlich Kinder erreichen und damit stereotype Bilder von Männern, Frauen, gesunden oder Kranken aufbrechen, hängt vor allem von den Eltern ab. Die sind kritischer geworden und reflektieren ihre Kaufentscheidungen mehr, heißt es jedenfalls von Barbiehersteller Mattel. Das wäre zumindest eine Erklärung dafür, dass der Umsatz des Spielzeugherstellers bei den herkönnlichen Produkten seit einigen Jahren zurückgeht. Gute Voraussetzungen, um verhalten optimistisch ins Spielzeugland zu blicken.